Der Dispute-Index…und was er über unsere Gesellschaft sonst noch so aussagt

Wikipedia wird als Messinstrument für die politische Stabilität von Ländern  neu entdeckt. Die Ergebnisse stimmen erstaunlich genau mit denen von anderen bereits etablierten Indikatoren (WGI, EIU) überein. Die Frage die sich aber geradezu aufdrängt ist eine gesellschaftspolitische: Warum besteht in politisch stabilen Ländern kein Bedarf mehr an Diskussion?

Der  Dispute-Index ist…

…ein neuer Indikator für die geopolitische Stabilität von Ländern, der von einem Heidelberger Forscherteam entwickelt wurde. Gemessen wird durch die Auswertung von Wikipedia-Diskussionen: es wird errechnet, „wie vernetzt einzelne Länder mit umstrittenen Wikipedia-Einträgen sind“, resümiert die Zeit Online, dazu wird untersucht wie oft diese umstrittenen Beiträge mit der Wikipedia-Hauptseite des Landes verlinkt wurden. Umstritten meint hier, dass ein Eintrag mindestens einmal diskutiert wurde.

Die Heidelberger Forscher stellten ihr Projekt im Fachblatt PlosOne vor und stellten fest: „The most disputed [countries] are parts of the middle east followed by other regions such as Kosovo, Bosnia & Herzegovina and North Korea. The other extreme, countries in North America and Western Europe are the least disputed, with most other countries occupying a middle range.”

Zusammenhang zwischen Diskussionsbereitschaft und politischer Instabilität

„Ein weiterer Vorteil ist, dass unser Index nicht so subjektiv ist. Er beruht nicht auf einzelnen Experten, sondern auf den Empfindungen mehrerer Menschen, die auf Wikipedia diskutieren“, zitiert die Zeit Online den Forscher Robert Russell. Das ist sicher richtig, denn es wird beim Dispute-Index mit Wikipedia-Diskussionen gearbeitet, die kontroverse Themen in dem betroffenen Land markieren. Naheliegend wäre, dass der Index darum die Diskussionsbereitschaft von Ländern erfasst. Diese Diskussionsbereitschaft scheint jedoch mit der politischen Stabilität, beziehungsweise Instabilität, zu korrelieren. Doch warum wird in instabilen Ländern mehr diskutiert als in stabilen Ländern? Naheliegend ist die Antwort, dass hier über umstrittenen politische, religiöse und anderen gesellschaftliche Problematiken kontrovers diskutiert wird, die ihrerseits für eben diese Instabilität im Land sorgen. Während dagegen in westeuropäischen und nordamerikanischen Ländern die Stabilität zu einer Diskussionsflaute geführt hat. Aber…

…wird in Deutschland wirklich nicht mehr diskutiert?

Führt also politische Stabilität zu einer Diskussionsfaulheit und damit, wenn man weiterdenkt, zur allseits gefürchteten Politikverdrossenheit? Oder finden Diskussionen in stabileren Ländern mit gesicherter Meinungs- und Pressefreiheit einfach nur über andere Kanäle und Medien statt, als das Internet und im besonderen über Wikipedia?

Kann man also über den Dispute-Index nicht viel mehr etwas über den Zusammenhang von Meinungsfreiheit im Internet (verbunden mit eingeschränkter bis nicht vorhandener Pressefreiheit in anderen Medien) und der staatlichen Stabilität gewinnen, als nur über die alleinige politische Stabilität? Dann würde auch die Forschungsmethode weniger skurril klingen.

Eine weitere These wäre, dass in westeuropäischen Ländern, die großen grundlegenden Fragen nach Religion, Gesetz und Politik schon ausdiskutiert wurden. Jetzt gibt es kaum mehr Diskussionen, in solchen Dimensionen, dass die Voraussetzungen für kollektives Handeln erfüllt würden.

 

Fazit

Wie repräsentativ für die politische Stabilität der Dispute-Index also tatsächlich ist und welche Facetten und weiteren Auslegungen er noch zu bieten hat, muss noch weiter untersucht und diskutiert werden. Wie wäre es mit einem Wikipedia-Artikel zum Dispute-Index? Es wäre sicher interessant zu sehen, welche Länder hier besonders viel Diskussionspotenzial sehen!

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Vom Meinungspluralismus zur individuellen Meinungsblase

„Vom Meinungspluralismus zum Autismus“ – so resümiert der Elektrische Reporter das Entwicklungsszenario, dass uns bevorsteht, wenn der Trend zur Personalisierung des Internets zum Standart wird.

 

Das Internet als paralleler Lebensraum

Seit der Etablierung des Internets, durchlebt dieses einen ständigen Bedeutungswandel. Es dient schon lange nicht mehr nur als enormer Pool für Informationen, sondern wird durch die Entwicklung zum Web 2.0 zu einem digitalen und interaktiven Lebensraum, der vom „Offline-Leben“ für jüngere Generationen nicht mehr zu trennen ist. Vernetzung und Austausch machen das Internet persönlicher und soziale Netzwerke sind daraus entstanden und fördern diese Nutzungsweise weiter.

 

Wir machen das Internet zu unserem persönlichen Lebensraum und diesem Wunsch nach Personalisierung folgen jetzt auch Webdienste wie Google und Facebook. Hinter der Personalisierung von Suchergebnissen, Werbebannern und Facebookmeldungen, steht die Idee, dass jedem Nutzer gleich das angezeigt wird, was ihn auch interessiert. Auf den ersten Blick ist an dieser Idee auch nichts auszusetzen. Doch spinnt man diese Idee weiter, stößt man schnell auf erschreckende Konsequenzen.

 

Allgemeinbildend vs. Personalisiert

Bleibt man beim Beispiel der personalisierten Suchergebnisse, wird jedem das angezeigt, was auf seine Interesse passt. Die Informationen darüber sammelt Google durch Cookies und Links, die man früher aufgerufen hat. Man kann also sagen, dass wir uns schon jetzt nicht mehr im gleichen Internet bewegen. Doch dadurch schränkt sich auch unser Blickfeld ein. Wenn wir nur noch Informationen erhalten, die mit unserem Weltbild übereinstimmen, fehlt uns genau das, was das Internet immer sein sollte: Meinungspluralismus. Davor warnt auch Eli Pariser in seinem TED-Vortrag: Durch diese Art von Gatekeeping gibt es keinen ausgewogenen Informationsfluss mehr und keinen Raum für kritische Meinungsbildung. Für Eli Pariser bedeutete das Internet zunächst die Umgehung von Gatekeepern wie Redakteuren. Jeder bekam hier alle Informationen, die er wollte. Der nächsten Schritt ist jetzt jedoch, dass durch Filter neue Gatekeeper zum Einsatz kommen. Aus dieser Perspektive ein Rückschritt.

 

Der Elektrische Reporter spinnt das Szenario noch weiter:

Für die Redakteure des Elektrischen Reporters sieht die Zukunft der Personalisierungen etwa folgendermaßen aus:

Bald wird es einen Datenpool geben, in dem Kreditkartenunternehmen zusammen mit Zahlungsunternehmen wie PayPal und Onlineversandhäuser, Konsumgewohnheiten von Kunden speichern und miteinander verknüpfen. Dies führt dazu, dass jeder Nutzer nur noch auf ihn maßgeschneiderte Internetwerbung zu sehen bekommt.

Danach werden auch die Onlinemedien sich dem Personalisierungstrend anschließen. Auf diese Weise erhält jeder nur noch die Nachrichten, die ihn interessieren und die zu seiner Meinung und seinem Weltbild passen.

So bewegt sich jeder bald in seinem ganz persönlichen Internet und wir erklären das Zeitalter der Massenmedien für vorbei. Die Medien müssen es jetzt nicht mehr allen recht machen, sondern passen sich automatisch dem individuellen Nutzer an.

Bald sieht auch die Politik hier ihre Zukunft und produziert verschiedene Internetbotschaften und jeder sieht nur genau die Botschaften, die zu seinen Interessen passen. Da die anderen Botschaften im Filter der Personalisierung verloren gehen, wird es schwierig widersprüchliche Aussagen aufzudecken.

 

Fazit

Durch übermäßige Personalisierung würde jeder bald in seiner eigenen Medien- und Meinungsblase leben, in der das eigene Weltbild nur Bestätigung findet und in die keine kritischen Gegenmeinungen oder Debatte eindringen. Doch auf diese Weise kann weder das zwischenmenschliche Zusammenleben, noch Demokratie funktionieren.

 


Marketing 2.0 – Chance oder Gefahr?

„Firmen unterschätzen die Macht des Internet“ titelt Welt Online und beruft sich dabei auf eine Studie des Marktforschungsinstituts Allensbach. Doch selbst wenn die Firmen sich dem Einfluss des Internets bewusst sind, wissen diese oft nicht mit den neuen Werbemöglichkeiten umzugehen.

Wie das Internet den Markt verändert und der Markt die Werbung

Das Internet ist für das Marketing eine zweischneidige Sache. Auf die Euphorie über die enormen neuen Werbemöglichkeiten, folgt schnell ein ungutes Gefühl. Denn es bietet sich hier den Unternehmen nicht nur eine riesige Werbeplattform, sondern das Internet fordert auch ein Umdenken der Marketer. Dabei machen den Unternehmen vor allem die Möglichkeiten der Verbraucher zum freien Austausch und die Interaktivität des Web 2.0 zu schaffen. Denn über zwei Drittel der Bevölkerung nutzt mittlerweile das Internet um sich über Produkte und Dienstleistungen zu informieren, wie aus der Studie des Allensbach-Instituts hervor geht. Dies geschieht vor allem durch Preisvergleiche, Testberichte, Bewertungen und Kommentare auf welche die Firmen keinen direkten Einfluss haben. Dadurch kommt es nicht nur zu einer neuen Transparenz der Märkte, sondern auch zu einer Demokratisierung der Meinungsbildungsprozesse über Unternehmen und deren Produkte und Dienstleistungen.

Was dem Verbraucher mehr Möglichkeiten bietet sich unabhängig zu informieren, stellt die Unternehmen vor die Herausforderung mit Kritik direkt umgehen zu müssen und sich damit abzufinden, dass sie einen großen Teil des Einflusses auf ihr Image verlieren. 

Die Sicht der Unternehmen: Zwischen Machtverlust und Kritikfähigkeit

Der Erfolg eines Produktes hängt also immer mehr davon ab, wie von Verbrauchern darüber im Internet berichtet wird. Dies bietet den Firmen allerdings auch Vorteile. Chancen werden vor allem im Bereich der Produktentwicklung gesehen, bei der man sich auf eine Fülle von Benutzerbewertungen stützen kann – ein neuer und schneller Kanal für die Marktforschung.

Die Unternehmen selbst sehen das Ziel ihrer Internetpräsenz vor allem in der Imageverbesserung, dem direkten Kontakt zu den Kunden sowie der Kundenbindung. wie ein Dossier von  Horizont darlegt. Von geringerer Bedeutung sind Neukundengewinnung, Absatzsteigerung und Produktoptimierung. Diesem Dossier zufolge sehen die Unternehmen das größte Problem des Onlinemarketings in der Glaubwürdigkeit der Kommunikation in Communities, Blogs und Foren, sowie in einem hohen Maß an Betreuungsaufwand und Toleranz gegenüber kritischen Stimmen. Somit stellen mangelhafte Feedback-Verarbeitung und Kontrollverlust die größten Risiken aus Unternehmenssicht dar.

Die Sicht der Nutzer: Demokratisierung durch Dialog

Auch die Verbraucher sind mit dem Internetangebot von Unternehmen noch nicht zufrieden. „Drei Viertel sind enttäuscht über die mangelnde Dialogorientierung und den geringen Service von Unternehmen bei Facebook und Twitter. 83 Prozent empfinden die Unternehmensaktivitäten sogar als Werbung.“, heißt es im Dossier von Horizont. Man bezieht sich dabei auf die Ergebnisse  einer Studie des Brand Science Institute.

So verlassen sich die Verbraucher mittlerweile liebe auf die Bewertungen von anderen Verbrauchern, als auf die Informationen die sie von den Unternehmen selbst erhalten.

Fazit:

„Je mehr Zeit Jugendliche vor dem Computer verbringen, desto weniger erreichen sie unsere klassischen Marketingaktionen.“, klagt Claus Friedrich Holdmann, Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, in einem Bericht des Handelsblattes. Auch die Sparkassen und Volksbanken investieren immer mehr in ihre Präsenz in sozialen Netzwerken. Doch der Erfolg ist bisher eher mäßig. Die Unternehmen erwarten hohe Wirkung bei niedrigen Kosten. Nirgends wäre es einfacher so viele Verbraucher gleichzeitig zu erreichen wie in sozialen Netzwerken. 

Und so heißt es für die UNternehmen jetzt, die neuen Spielregeln zu verstehen oder sich lieber rauszuhalten. Denn mit herkömmlichen Strategien ist hier nichts gewonnen – denn wie in jedem anderen Bereich auch, dersich in Feld Internet traut, gewinnt hier nur, wer sich verändert und sich auf neue Regeln einlässt.


“Das Bruttonationalglück”, oder: Wie fühlt sich Deutschland denn heute so?

Facebook macht´s möglich: Glück wird endlich messbar! Und das sogar auf nationaler und internationaler Ebene. Während sich die Glücksforschung bisher mit soziologische und psychologischen Fragen, sowie mit Hirnchemie beschäftigt hat, haben Forscher jetzt die Statusmeldungen auf Facebook für sich entdeckt.

 

Was hat es mit dem „Gross Natinonal Happiness Index“ auf sich?

Die Facebook Firma beschäftigt ein eigenes Facebook Data Team, bestehend aus 15 Soziologen und Statistikern. Um Glück zu messen werten sie auf nationaler Ebene Statusmeldungen aus. Dies geschieht stichprobenartig per automatischer Textanalyse bei der nach bestimmten Emotionswörtern gesucht wird. Wo diese Wörter im Glücksranking stehen, wurde bereits davor festgelegt. „Mit Datenbanken, die verraten, wie Menschen bestimmte Schlüsselwörter emotional bewerten, haben die Forscher zunächst Tausende Wörter auf einer Glücksskala von eins bis neun angeordnet.“, weiß Ralf Krauter von Dradio „Forschung aktuell“. Mit Hilfe dieser Schlüsselwörter kann dann für jeden Tag das Bruttonationalglück errechnet werden.

 

Eine neue Ära der empirischen Sozialforschung (?)

“Manche sprechen schon von einer euen Ära der empirischen Sozialforschung.”, schreibt der Zeit-Redakteur Christian Heinrich. Mit den Statusmeldungen der Facebookgemeinde stehen ihnen Daten in bisher nicht gekannten Mengen zu Verfügung. 

Besonders gerne wird der Wahrheitsgehalt dieser Meldungen betont: Facebook-Statusmeldungen scheinen über den Effekt der sozialen Erwünschtheit erhaben zu sein. Es bleibt jedoch zu bedenken, ob dieser Effekt nicht bereits, von der Studie unabhängig, eintritt, da die Nutzer sich in sozialen Netzwerken in gewisser Hinsicht selbst inszenieren.

Angesichts der hohen Zahl an gemeldeten Facebooknutzern berufen sich die Forscher auch auf die hohe Repräsentativität ihrer Ergebnisse. Jedoch bleibt auch hier zu beachten, dass dies vermutlich auf die Facebook-Gemeinde zutrifft, andere Gruppen – also alle die Facebook nicht nutzen, wie zum Beispiel alte Menschen – hier nicht inbegriffen werden.

 

Was sagt der Index über uns aus?

Die Ergebnisse der Erhebung zeigen, dass die Menschen in Deutschland an Feiertagen wie Weihnachten, Sylvester und Ostern besonders glücklich sind. Auch Sportereignisse hinterlassen deutliche Hochs und Tiefs auf der Skala.

Was jedoch sehr irritierend wirkt ist, dass Erdbeben, Tsunami und Reaktorunfall in Japan nicht einmal eine Delle im Index hinterließen. Diese Tatsache lässt eigentlich nur auf die Nicht-Repräsentativität dieser Art von Sozialforschung hoffen.

 

Fazit

Glück messbar machen, etwas subjektives objektivieren – eigentlich ein Paradoxon. Und so bleibt dieser Index wohl eher ein Spielzeug, dass höchstens Anätze liefert für weiterführende Forschungen. Die Motivation von Facebook für diesen Index beschreibt Meedia.de in einem Artikel folgendermaßen: „Für Facebook dürfte der Glücks-Index in erster Linie eine Demonstration der eigenen Marketing-Macht sein.“

 

 

 


Personalisierte Online-Werbung: Geniale Strategie oder simpler Datenklau?

 

Die Journalistin Mercedes Bunz weiß: „Onlinewerbung ist hässlich, laut und uninformativ.“ Und seit der Rezession kann damit kaum noch Geld verdient werden. Das Fazit ist klar: Hier muss sich etwas ändern! Doch die neuen und innovativen Konzepte stoßen an Grenzen, die sogar den Datenschutz betreffen.

 

Das Geheimrezept für profitable Online-Werbung bleibt noch unentdeckt

Wie sich das Online-Angebot einer Zeitung von ihrem Printprodukt unterscheidet, so muss sich auch die Form der Werbung dem jeweiligen Medium anpassen. Das dies noch nicht  ausreichend geschehen ist, bilanziert  seit dieser Woche eine Studie der Columbia University „The story so far: what we know about the business of digital journalism.“. Dabei geht es auch um die Finanzierung von Online-Journalismus. Die Ergebnisse fasst die Süddeutsche Zeitung folgendermaßen zusammen: „Die Journalisten müssten ihr Verhältnis zu Werbung überdenken, Werbung für digitale Medien müsse besser gestaltet, insgesamt kreativer sein.“ Wie dieses Problem angegangen werden kann bleibt dabei allerdings weitgehend offen.

Vielleicht hilft ein Blick in den aktuellen Werbediskurs.

 

Was wird bemerkt? Oder: Muss Internetwerbung immer blinken?

Nein, Werbung muss nicht immer blinken! Was Werbung aber, laut aktuellen Meinungen, tun muss um zu funktionieren, lässt sich in drei Konzepten zusammenfassen: Kombination, Verknüpfung und Personalisierung.

So schlägt die Studie der Columbia University beispielsweise vor, die klassische Anzeige mit Sponsoring- und Social-Media-Aktionen zu kombinieren, denn durch den dadurch entstehenden Mehrwert, kann Werbung erst Aufmerksamkeit generieren.

Eine weitere Strategie, die allerdings eine journalistische Gradwanderung werden kann, ist die Verknüpfung von redaktionellen und kommerziellen Inhalten. Beliebt ist dies bei sogenannten „weichen“ Themen, wie Mode o.ä… Zwar werden Anzeigen nach wie vor als solche markiert, aber es wird trotzdem eine nahe Verknüpfung hergestellt, erklärt die Journalistin Mercedes Bunz in einem Interview bei Deutschland Radio Wissen.

Im aktuellen Online-Werbediskurs ganz oben, steht jedoch das Konzept der Personalisierung.

  

Personalisierte Werbung –Zeig mir dein Sozialprofil und ich sag dir welche Werbung dich interessiert!!

Das Konzept ist einfach aber genial: Jeder, der sich im Internet bewegt, bekommt nur Werbung zu sehen, die sich mit seinen Interessen decken.

Googlemail macht es, indem die privaten Emails der Nutzer auf Themen computergeneriert gescannt werden.

Facebook macht es, indem Hobbies, Links, und „Likes“ auswertet werden.

Nachrichtenseiten tun es, indem sie die Bewegungen der Internetnutzer mit Hilfe von Cookies verfolgen.

All dies sind legale Vorgänge, die durch Geschäftsbedingungen abgesichert sind, in die die Nuter von Googelmail, facebook und Co. eingewilligt haben. Durch Social Media Targeting werden Nutzer über Plattformen hinweg verfolgt und vollständige Sozialprofile erstellt. Es gibt Firmen, die darauf spezialisiert sind solche Sozialprofile aus den großen Netzwerken heraus zu holen und diese weiter zu verkaufen.

  

„Wir leben in datenschutztechnisch merkwürdigen Zeiten!“

schreibt der Kolumnist der Wirtschftswoche Ben Schwan. Andererseits sind wir auch selber schuld, wenn wir bereit sind so viele Informationen über uns im Internet bereit zu stellen. Doch da solche Prozesse wie das Targeting im Hintergrund ablaufen, bleiben sie für die meisten Nutzer im Verborgenen.

Datenschutzthemen, die früher für Protestwellen gesorgt haben, klingen heute in der Gesellschaft mehr wie ein schwaches Rauschen nach. So als wäre Datenmissbrauch eine Sache der Gewöhnung, so wie Werbung häufig nicht mehr als störend empfunden wird, sondern als willkommen passend.

Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten um diesem Trend, wenn auch begrenzt, entgegen zu wirken, beispielsweise durch das regelmäßige Löschen der Cookies vom Browser, oder durch die Verwendung von Pseudonymen in sozialen Netzwerken.

  

Fazit

So lässt sic h die Titelfrage „Geniale Werbestrategie oder simpler Datenklau?“ nur durch die Reaktion der Gesellschaft auf dieses Phänomen beantworten. Und da eine Massenempörung bisher nicht einzutreten scheint, wird diese Praktik der Personalisierung des Internet-Erlebnisses durch Passivität legitimiert.


Museum 2.0 – Kunstgenuss oder reiner Kommerz?

Das auch Museen eine starke Internetpräsenz haben und neben Webseiten auch auf soziale Netzwerke zurückgreifen ist nicht verwunderlich. Doch was bedeutet das für die ursprüngliche Idee des Museums?

Museen im Internet: Von bloggen bis twittern – Gefällt mir!

Längst haben die Museen ihren Weg ins Internet gefunden und haben gelernt sich im neuen Medium zu vermarkten. So dient die Internetpräsenz den Museen als Instrument der Informationsverbreitung, sowie der Ergänzung und Begleiter von Ausstellungen.

Das Internet erreicht zwar nicht den typische Museumsbesucher, wie Studien von comscore und der RFH Köln  zeigen, dafür können hier neue potenzielle Besucher geworben werden.

Kunst kaufen im Internet – 1. virtuelle Kunstmesse VIP Artfair

Im Januar diesen Jahres fand „im Internet“ die 1. virtuelle Kunstmesse der Welt statt. Genannt wurde sie VIP Artfair, wobei VIP für Visit in Private steht. Ihr Erfinder ist James Cohan, der Begründer der James-Cohan-Gallery in New York.

Über hundert der weltweit führenden Gallerien waren vertreten und konnten im virtuellen Räumen besucht werden. Über Chat oder Scype konnte mit den Künstlern und Kuratoren kommuniziert werden.

Doch auch hier wird klar, dass Kunst eigentlich etwas ist, das real gesehen werden muss. In den Online-Galerien gibt es beispielsweise Menschen die eingeblendet werden können, die dann um Proportionen erkenntlich zu machen scheinbar vor dem Kunstwerk stehen.

Somit ist diese Online-Messe eigentlich nur etwas für Kunstkäufer.

Das Google Art Projekt – Virtueller Museumsbesuch

Dem Kunstprojekt unter der Leitung von Amit Sood, liegt die Idee zugrunde die besten Museen der Welt ins Internet zu bringen und damit jedem, egal ob reich oder arm, egal wo auf der Welt, Zugang zu ermöglichen. Mit Mausklicken ist es möglich sich durch den dreidimensionalen Raum eines beliebigen Museums zu steuern, an Gemälden halt zu machen, an diese heranzuzoomen und weitere Informationen dazu zu lesen.

Doch Martin Roth, Kulturwissenschaftler und Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlung Dresden, sagt im Zeit Online Talk bei Dradio Wissen, dass der Versuch das Museum in Internet zu präsentieren und zugänglich zu machen immer nur eine Ergänzung zum realen Museum sein kann und nicht den Anspruch hat diese zu ersetzen. Dasselbe betont auch Amit Sood, der Begründer des Google Art Projects, in seinem TED-Vortag “Building a Museum of Museums in Web”. 

Das sie das auch nicht könnten wird jedem bei diesem virtuellen Rundgang schnell klar: es fehlt an Atmosphäre, die Bilder auf dem Bildschirm sind meist winzig im Gegensatz zu den Originalen und haben jede wahrnehmbare Materialität verloren.

Fazit

Das virtuelle Museum ist ein komplett anderes Konzept im Gegensatz zu realen Museen. Es erreicht nicht das selbe Publikum und spricht meistens eher Käufer und Sammler an – Menschen, die sich einen Überblick über die Kunstszene machen und kaufen wollen.

Doch die Vorantreibenden des Museums 2.0 wissen das auch und damit werden auch Online-Museen wie im Googel Art Project zu reinen Vermarktungsstrategien, die neue Besucher ansprechen sollen. 

Doch Kunst, die für den realen Raum geschaffen ist, die mit allen Sinnen wahrgenommen werden will, wird sich nie nur auf das Internet beschränken lassen. Denn auch Online-Käufer haben am Ende das reale Gemälde an der Wand hängen und keine hochaufgelöste pdf-Datei. „Das Museum ist tot!“, tönt es seit jeher bei jedem neuen Medium, dass geboren wird, doch eingetreten ist diese Vorhersage noch nie und wird es auch durch das Internet nicht. Das neue Medium Internet führt eher zu einer Renaissance des physischen Raums, dessen sind sich die Teilnehmer des Zeit Online Talks zum Thema „Museum der Zukunft“ einig.


Die Strategie wird also nicht sein, dass Museum zu ersetzten, sonder das Museum moderner zu gestalten und an neue Trends anzupassen, sei es durch Werbung im Internet, durch Audioguides oder virtuelle Führungen.


Machtspiel Internet – Wer übernimmt die Kontrolle?

Die Nachrichtenbranche ist die am härtesten umkämpfte Branche im Internet. Doch geht es nicht mehr nur um Spannungen zwischen den verschiedenen Medien, wie beispielsweise dem Printprodukt und dem Online-Auftritt einer Zeitung. Auch innerhalb des Internets sind die Machtverhältnisse kompliziert, wie eine Studie des Pew Research Centers aufzeigte. Hatten die Medienhäuser früher die volle Kontrolle darüber, wie ihre Produkte zu den Kunden gelangten, verlieren sie jetzt auf dem Internetmarkt viel Einfluss und, so Zeit Online, ihre Kontrolle ans Netz. 

                       

Studie des Pew Research Centers

Die Studie des Pew Research Centers zeigt, dass über 40% der Besucher von amerikanischen Nachrichtenangeboten im Internet über externe Links auf diese Seiten gelangen. Die Zugänge zu Nachrichtenseiten werden also von Suchmaschinen, sozialen Netzwerken und Hardware Herstellern dominiert.

Die Studie stützt sich dabei auf Statistiken der Nielsen Company. Untersucht wurden die 25 beliebtesten amerikanischen Nachrichtenangebote im Internet hinsichtlich der Fragenstellung: Wie gelangen die User auf die Nachrichtenseiten? Wie lange bleiben sie auf der Seite? Wie tief gehen sie in die Seite hinein? Wohin gehen sie, wenn sie die Seite wieder verlassen?

Dass über 40% der User über Suchmaschinen oder andere Verlinkungen auf die Seite gelangt sind, wirft die Frage danach auf, nach welchen Kriterien Suchmaschinen Artikel und Webseiten auswählen und anzeigen.

 Studie der Nielsen Company und PEJ Research

„There´s no standard Google!”

Die Debatte ist nicht neu: Welche Seiten erscheinen bei Google ganz oben? Werden bestimmte Seiten und Anbieter bevorzugt? Diese und ähnliche Fragen wurden bereits viel diskutiert. Mit einer Frage, die noch eine ganz andere Problematik aufdeckt, beschäftigt sich Eli Pariser in seinem TED-Vortrag „Beware online ,filter bubbles´“ im Mai 2011. Nicht nur Google, auch andere Suchmaschinen, schneiden die Suchergebnisse auf die persönlichen Interessen des Nutzers zu und auch soziale Netzwerke wie Facebook filtern Freunde und deren Verlinkungen aus, mit denen man wenig interagiert.

Dies betrifft auch die angezeigten Nachrichten. Die Suchergebnisse werden also nach individuellen Interessen gefiltert und andere Inhalte werden nicht mehr angezeigt. Handelte es sich früher um menschliche Gatekeeper, kann man heute, laut Pariser, von einem „algorithmic gatekeeper“ sprechen: Die Medien verlieren ihre Macht also an die Filter von Suchmaschienen und sozialen Netzwerken – an Google und Facebook.

 

Die Macht der Aufmerksamkeit

Wer im Internet die Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann, hat bereits einen wichtigen Sieg im Machtkampf errungen. Doch die Nachrichtenangebote müssen lernen sich darauf einzustellen, dass im Internet andere Unternehmen die Aufmerksamkeit lenken – eben solche wie Google und Facebook.

Die Zukunft des Online-Journalismus hängt genau davon ab: Vom Verständnis dafür, wie Menschen im Internet navigieren. Ein weiteres Ergebnis der Studie des Pew Research Centers ist, dass es mehrere Gruppen von Usern gibt, die sich unterschiedlich im Internet bewegen und verhalten im Hinblick auf die oben genannten Fragen. Um langsam die Kontrolle im Internet zu gewinnen, müssen Nachrichtenorganisationen demnach verschiedene Strategien entwickeln um diese unterschiedlichen Usergruppen zufrieden zu stellen.

Im deutschen Raum sind, nach einer Studie von meedia.de, BILD.de, Spiegel Online und Express.de die deutschen Nachrichtenseiten mit den meisten und den treuesten Lesern.

                       

Gefahren für Demokratie und Meinungsvielfalt

Doch die Filter stellen nicht nur eine Gefahr für die Nachrichtenseiten dar, sondern auch für die Internetnutzer selbst. Eli Pariser spricht von einer „filter bubble“, also einer persönlichen Blase in der wir uns im Internet bewegen. Die Ergebnisse, die uns angezeigt werden, sind bei jedem User unterschiedlich und richten sich danach was den Einzelnen im Internet interessiert, was angeklickt wird. Es entsteht so sehr schnell eine Internetwelt, in der uns angezeigt wird, was die Suchmaschine denkt, dass wir es sehen wollen. Das Problem dabei ist, dass nicht der Internetnutzer entscheidet, was in seiner Blase angezeigt wird und das er nicht mehr sieht, was aus seiner „filter bubble“ ausgeschlossen wurde.

Doch für den Erhalt der Meinungsvielfalt ist es wichtig, dass wir nicht nur sehen was für uns relevant ist, sondern auch Meinungen anderer, neue Themen von hoher Wichtigkeit, aber auch solche, die uns herausfordern oder unangenehm sind. Denn Demokratie ist nicht möglich ohne einen ausgewogenen Informationsfluss und die Möglichkeit zur differenzierten Meinungsbildung und Meinungsneubildung. 

 

Fazit

Damit ist es nicht nur im Interesse der Nachrichtenseiten, dass das Machtverhältnis im Internet nicht so einseitig bleibt, wie es zur Zeit ist. Nicht die Filter von Suchmaschinen sollten die Kontrolle darüber haben, was für Informationen wir bekommen, war doch die Idee Internet auch die Idee der unbegrenzten Informationsmöglichkeit und Meinungsfreiheit.